Personal Branding: 5 Fragen an Naïs Graswald

5 Fragen – 5 Antworten. Das ist das Prinzip unserer Interviewreihe „Personal Branding: 5 Fragen an…”. Wir sprechen mit unterschiedlichen Menschen über ihren Weg in die Sichtbarkeit und sie teilen ihre Erfahrungen und Tipps mit uns. Auch mit Naïs Graswald haben wir gesprochen.

Naïs ist Head of Executive and Digital Communications bei der Volkswagen Group sowie systemische Business-Coach. In den letzten 10 Jahren hat sie in Politik & Wirtschaft Spitzenpolitiker:innen, Bundesminister:innen, Staatssekretär:innen, CEOs und Vorstände eng begleitet.

Warum sollten bzw. müssen Führungskräfte und Mitarbeitende auf Social Media aktiv und sichtbar sein?

Der offensichtliche Vorteil ist, dass beide zum Sender werden können – im Interesse der Unternehmensziele. Das ist natürlich im Blick auf PR, Marketing und Employer Branding ein unglaubliches Potential. Zudem ist Social Media ein starker Hebel für die interne Kommunikation. Führungskräfte können die Mitarbeitenden dort niedrigschwellig erreichen und umgekehrt. Ein toller etablierter Kommunikationsweg, der eben sehr transparent in der Öffentlichkeit stattfindet. Ein weiterer Vorteil: Netzwerken und fachlich sowie persönlich wachsen. Sich mit der externen Welt auszutauschen, Menschen kennenzulernen und Inhalte von anderen zu lesen, erweitert den eigenen Horizont. 

Wichtig ist: Social Media ist kein Muss. Eine Person muss Lust haben, wissen, warum sie dort aktiv sein möchte und ein klares Ziel verfolgen. Wenn jemand keinen Sinn in Social Media sieht oder andere Prioritäten hat, dann wirkt jede Kommunikation unglaubwürdig. Sichtbarkeit ohne klare Ziele ist aus meiner Sicht definitiv ein No Go.

Wie wichtig ist es, sich im Kontext von Personal Branding ein Netzwerk aufzubauen und zu pflegen? Wie fängt man am besten an?

Für mich ist Netzwerken das Kapital im Morgen. Wer wir als Mensch sind, wen wir kennen – dein verwurzeltes Netzwerk wird im digitalen Zeitalter, in dem uns KI vieles abnimmt, viele Aufgaben automatisiert werden, unendlich wertvoll. 

Und ich verstehe sehr gut, wenn Menschen denken: „Das kann ich nicht” oder „Wo soll ich die denn finden?“. Genauso ging es mir doch auch. Aber da kommen wir wieder auf den Mehrwert von Social Media und deine individuelle Sichtbarkeit. Ich, 18 Jahre, vom niederbayerischen Dorf, Arbeiterkontext, strande an einer Universität und lerne etwas Neues: Die Familien dieser Menschen haben Netzwerke und damit sind sie mir Meilen voraus – erzählte Erfahrungen, Kontakte für ein Praktikum oder einen Job, Interviewpartner, etc. Ich beschloss, das aufzuholen. Jede Woche fünf Gespräche mit tollen Menschen. Das mache ich nun seit über 10 Jahren. 

Meine Tipps: Erstens, überlege dir, warum du diese Menschen kennenlernen möchtest, wo sie wirken, in welchen Bereichen sie aktiv sind. Eine Zielgruppenanalyse sozusagen. Dann schreibe sie einfach an, z.B. auf LinkedIn. Sei ehrlich, sei persönlich und ehrlich interessiert. Überlege dir auch, was du der Person geben kannst. Wenn du eine Person kennengelernt hast und ihr euch gut versteht, dann frage sie, welche weiteren drei Personen du kennenlernen solltest. In der Regel sind das überraschend passende Empfehlungen.

Was ist deiner Meinung nach wichtiger im Kontext Personal Branding: eigener Content oder an Diskussionen teilnehmen, zum Beispiel unter Beiträgen anderer? Warum?

Ich halte beides für gleichermaßen relevant, ein ungefähres Gleichgewicht ist dabei wichtig. Dabei ist es aber eine individuelle Typfrage, ob du zum Beispiel 40% eigene Inhalte postest und 60% kommentierst, oder andersherum. 

Ich persönlich finde, dass immer noch zu wenig kommentiert wird und der Fokus zu sehr auf eigenem Content liegt. Dabei haben Kommentare einen klaren Vorteil: Du kannst dadurch einfacher in neue Bubbles vordringen. Kommentare sind ein sehr nützliches Tool, um dem Algorithmus in der eigenen Sichtbarkeit einen kleinen Streich zu spielen. Während der Algorithmus über die Reichweite deiner eigenen Posts entscheidet, ist dein Kommentar einfach da und du bist dort für andere Personen sichtbar.

Was macht für dich guten Content, zum Beispiel auf LinkedIn, aus? Welche Tipps hast du?

Mein erster Tipp: Überlege Dir, was du zu sagen hast. Überlege dir, wie die Headline deines Posts lautet. Du musst sie nicht in den Beitrag schreiben, aber du machst du dir damit einmal vorher bewusst, was du eigentlich sagen möchtest. Dann achte darauf, dass der Text so strukturiert ist, dass du eigentlich nach den ersten Absätzen weißt, worum es geht. Und am Ende, sei ehrlich: Würdest du den Post selbst lesen? 

Und wenn die Erkenntnis ist, dass du gerade eigentlich nichts zu sagen hast, mein wertvollster Tipp: schreibe bitte nichts. Wir haben wahrlich genug ziel- und lieblosen Content da draußen. Wer die Community liebt, hält auch manchmal einfach den Mund. 

Wie du merkst, ich bin ein großer Fan von Qualität statt Quantität. Das wird sich langfristig mehr auszahlen und man kann sich nachhaltig eine Community aufbauen.

Was sind deine Learnings, wenn es um den Zeitaufwand von Sichtbarkeit geht?

Das ist auch wieder eine sehr individuelle Sache. Manchen fällt das Schreiben leicht. Sie schreiben morgens in der Küche beim ersten Kaffee, auf dem Weg zur Arbeit oder auf dem Weg zurück. Aus dem Konzern-Kontext kenne ich es so, dass sich sichtbare Mitarbeitende am Wochenende die Zeit nehmen, um ihre Beiträge zu schreiben und timen diese dann einfach vor. Unser Top-Management, die beruflich kommunizieren, besprechen mit der Kommunikation, was, wie und wann kommuniziert wird. Die wenigsten schreiben hier selbst, sondern lesen den von Kommunikatoren formulierten Text fix Korrektur. Für sie ist der Zeitaufwand meist gering. Anders ist es in der Politik. Viele Politiker:innen verbringen sehr viel Zeit am Puls der Community. Für sie wünsche ich mir oft mehr Resilienz und mehr Offline-Zeiten.

Unabhängig von der eigenen Kapazität und Präferenz ist eine Routine für die eigene Sichtbarkeit auf jeden Fall sehr hilfreich. Man sollte sich einen Umfang vornehmen, den man realistisch und effizient erfüllen kann und diese Routine kontinuierlich beibehalten.

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